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Leserfrage: Wie führe ich die Worst-Case-Wertermittlung ein?

Jüngst erreichte mich diese Leserfrage: Der Exportverantwortliche eines mittelständischen Unternehmens möchte in der Firma die Worst-Case-Methode einführen. Doch wie sollte er dabei am besten vorgehen und welche Abteilungen muss er einbinden?

Holger Schmidbaur

06.11.2025 · 1 Min Lesezeit

Grundsätzlich lohnt es sich, die Frage mehrere Teilschritte aufzuteilen, um die Worst-Case-Wertermittlung zunächst vorzubereiten und anschließend die entsprechenden Bereiche ins Boot zu holen. 

Schritt 1: Analyse und Bewertung der Vormaterialien 

Identifizieren Sie alle Vormaterialien, die in Ihrem Unternehmen zur Produktion verwendet werden. Unterscheiden Sie zwischen Vormaterialien mit und ohne Ursprungseigenschaft. Bestimmen Sie die Einkaufspreise der Vormaterialien und identifizieren Sie, was die höchsten Kosten verursacht. Bei Vormaterialien ohne Ursprung müssen Sie den Zollwert bestimmen. 

Schritt 2: Ermittlung des Ab-Werk-Preises 

Analysieren Sie den Ab-Werk-Preis für die verschiedenen Produkte. Wählen Sie den niedrigsten möglichen Preis aus, um auf Nummer sicher zu gehen. Achten Sie darauf, dass alle relevanten Kosten berücksichtigt werden, die bei der Herstellung des Produkts anfallen. 

Schritt 3: Kalkulation erstellen 

Führen Sie die Präferenzkalkulation durch, indem Sie den niedrigsten Ab-Werk-Preis und die höchsten Werte der Vormaterialien ohne Ursprung verwenden. Dokumentieren Sie Ihre Berechnungen und die verwenden Daten, um bei Rückfragen der Zollbehörden nachvollziehbar argumentieren zu können. 

Schritt 4: Regelmäßig Überprüfung 

Da Preise für Vormaterialien schwanken können, sollten Sie Ihre Kalkulationen regelmäßig überprüfen und anpassen. Am besten orientieren Sie sich an den durchschnittlichen Lagerumschlagzeiten. 

Relevante Abteilungen: Wen Sie einbeziehen sollten 

Bei der erfolgreichen Implementierung der Worst-Case-Methode müssen Sie vier Abteilungen konsultieren. Nur durch die Zusammenarbeit der verschiedenen Bereiche sind sie langfristig auf der sicheren Seite. 

  • Einkauf: Diese Abteilung muss die Vormaterialien identifizieren und die Einkaufspreise zur Verfügung stellen. 
  • Finanzbuchhaltung/Vertrieb: Die Buchhaltung brauchen Sie, um die tatsächlichen Kosten der Vormaterialien und die Herstellkosten zu erfassen. Der Vertrieb wiederum bestimmt oft die Gemein- und Verwaltungskosten, die in die Ab-Werk-Preise einfließen. 
  • Logistik/Zollabteilung: Die Zollabteilung sorgt für die korrekte Ermittlung der Zollwerte von importierten Vormaterialien.  
  • Rechtsabteilung/Zollberatung: Eine enge Zusammenarbeit mit Ihrer Rechtsabteilung ist wichtig, um die Worst-Case-Methode korrekt anzuwenden und zu prüfen, ob sie den gesetzlichen Anforderungen entspricht. 

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Holger Schmidbaur ist als Global Customs & Trade Manager in der Schweiz angestellt und verantwortet in dieser Position die globalen Zoll- und Außenwirtschaftsprozesse. Vor dieser Funktion hat er als Zoll- […]